Rezension: „GRM – Brainfuck“ von Sibylle Berg

"GRM: Brainfuck" von Sibylle Berg. (Cover: Kiepenheuer&Witsch)

Der dystopische Roman „GRM – Brainfuck“ der Zürcher Autorin Sibylle Berg hat es auf die Shortlist des Schweizer Buchpreises geschafft. Zeit für mich, um nach einigen Wochen des Lesens eine Rezension zu dem Werk in die Tasten zu klopfen.

Ich hatte schon im Vorfeld einiges über „GRM – Brainfuck“ gelesen, dieses dystopische Werk, das in einem düsteren Großbritannien der Zukunft spielt. Sibylle Berg ist ja bekannt für ihre keineswegs zimperliche Themenauswahl und deren Behandlung. Aber „GRM“ ist wirklich harte Kost – und das hat nicht nur mit Bergs Vision für die nächsten Jahre zu tun.

Auf den über 600 Seiten des in einen harten, schreiend roten Einband gebunden Wälzers schildert Berg den Weg von vier Jugendlichen. Die sind das, was gemeinhin als Loser bezeichnet wird. Lesbisch, nicht-weiß, Waise, hochintelligent. Ihre Welt besteht fast ausschließlich aus Gewalt, Drogen und Sex. Die Musik zum Buch ist Grime, wütende, laute Musik und passend zur Situation. Die Jugendlichen verschlägt es im Laufe des Romans von dem britischen Kaff Rochdale nach London.

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GRM: Überwachung per Chip

Nachdem ihnen zunächst eine Reihe von beklemmend geschilderten (sexuellen) Missbräuchen angetan wurde, wollen sie sich rächen. An speziellen Übeltäter*innen oder gleich der gesamten Gesellschaft. Die ist in „GRM“ so, wie man sie sich schwärzer kaum noch vorstellen kann. Der Brexit ist Geschichte, Mittel- und Unterschicht werden mit einem Grundeinkommen kalt gestellt. Für das Gnadenbrot müssen sich die Bürger*innen per Chip komplett überwachen lassen. Gefühle? Mitgefühl? Fehlanzeige!

Buchtrailer „GRM – Brainfuck“ von Sibylle Berg. (Video: Youtube/Kiepenheuer & Witsch)

Hoffen wir, dass sich unsere Gesellschaft nicht so entwickelt, wie Berg das offenbar befürchtet. Oder zumindest eindringlich davor warnt. Ja, fast alles, was die Autorin in dem Buch schreibt, gibt es auf die eine oder andere Weise schon. Oder irgendwer arbeitet schon daran. Aber so gar keine Hoffnung, so gar kein Wunsch zu leben? Ich hoffe, das wird nie passieren.

Neben der schieren Vielzahl an Seiten und düsteren Geschichten erschwert Sibylle Berg das Lesen auch mit ihrer Art des Schreibens. Häufige Wechsel der Erzählperspektive, viele Charaktere, die auftauchen und wieder verschwinden. Kühle, sarkastische Beschreibungen. Es passt natürlich alles zusammen. Aber leicht zu lesen ist „GRM“ wirklich nicht.

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