Alles andere als Speedreading: So schnell lesen wir wirklich

Schnell lesen oder mit Genuss: "Aus dem Dachsbau" von Dirk von Lowtzwo. (Foto: Jörn Brien/MWB)

Echte Schnellleser*innen schaffen bis zu 6.000 Wörter pro Minute. Das ist zwar ein Vielfaches dessen, was normale Leser*innen schaffen. Das ist allerdings viel weniger als bisher angenommen. Ein belgischer Forscher hat fast 200 Studien zum Thema Lesen analysiert und kam zu einem überraschenden Ergebnis.

Nur wenige Leser*innen können von Natur aus super schnell lesen. Für das sogenannte Speadreading, bei dem man bis zu 6.000 Wörter pro Minute schafft, gibt es spezielle Trainings. Wichtig dabei ist, die innere Stimme auf Trab zu bringen. Die ist laut der Wissenschaft nämlich der limitierende Faktor beim Lesen. Innerhalb nur weniger Wochen ist mit ein bisschen Training aber locker eine Verdopplung der Lesegeschwindigkeit drin.

Wie schnell Normalleser*innen wirklich lesen, das hat der belgische Forscher Marc Brysbaert von der Uni Ghent herausgefunden. Fast 200 Studien mit 17.887 Teilnehmer*innen hat Brysbaert neu ausgewertet. Die Studien wurden zwischen 1901 und 2019 durchgeführt. Die Texte waren allesamt mit lateinischen Buchstaben geschrieben, die meisten auf Englisch.

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238 Wörter pro Minute schaffen wir beim Lesen

Der Analyse zufolge schaffen Leser*innen 238 Wörtern in der Minute – das sind etwas weniger als gedacht, wie ORF.at schreibt. Fiktionale Texte lesen wir schneller, nämlich mit 260 Wörtern pro Minute. Laut gesprochen werden etwa 183 Wörter pro Minute gelesen. Das zeigt eine Auswertung von 77 Studien.

Deutschsprachige Leser*innen dürften übrigens noch etwas weniger schnell lesen als oben genannte 238 Wörter. Denn im Deutschen/Österreichischen werden, anders als etwa im Englischen, relativ oft die Hauptwörter zusammengesetzt. Ansonsten sollen sich Brysbaert zufolge die Ergebnisse auf alle Sprachen mit lateinischer Schrift anwenden. Abweichungen gibt es wegen sprachlicher Besonderheiten, wie etwa die Hauptwort-Reihung im Deutschen.

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