Rezension: „Das Bekenntnis“ von John Grisham

Cover Das Bekenntnis von John Grisham
Cover "Das Bekenntnis" von John Grisham. (Bild: Heyne/Randomhouse)

Bestseller-Autor John Grisham nimmt sich in seinem neuen Werk den Süden der USA in den 1940er-Jahren vor. „Das Bekenntnis“ ist dabei mehr als nur Gerichtsdrama oder Familiengeschichte. Grisham beschäftigt sich mit dem Zweiten Weltkrieg und dem allgegenwärtigen Rassismus – und er hält die Leser*innen trotz der knapp 600 Seiten umfassenden Erzählung bei der Stange.

Über einen Roman von John Grisham ist sicher jede*r von euch schon einmal gestolpert. Sei es in Buchform oder als Verfilmung. Ich sage nur: „Die Firma“, „Die Jury“ oder „Das Urteil“. Viele der 31 Romane des Autors sind Bestseller. Die meisten von ihnen beschäftigen sich mit Prozessen oder Urteilen vor Gericht.

„Das Bekenntnis“: Mehr als Gerichtsdrama

Auch das im März im Heyne Verlag auf Deutsch erschienene „Das Bekenntnis“ kann als Gerichtsdrama gewertet werden. Aber es ist mehr als das. Grisham gelingt es, einen Südstaatenroman in der Tradition eines William Faulkner zu erschaffen. Faulkner wird in dem Roman auch erwähnt. Aber es gibt in „Das Bekenntnis“ auch spannende Szenen vor Gericht. Es geht um Schuld und Sühne. Und es geht um die Geschichte einer Familie, die über einen Zeitraum von einigen Jahrzehnten nach und nach zerstört wird.

Grisham beginnt seinen 600-Seiten-Roman mit einem Paukenschlag. Pete Banning, seines Zeichens angesehener Bürger von Clanton im US-Bundesstaat Mississippi, aktives Kirchenmitglied und hochdekorierter Kriegsveteran, erschießt den Pfarrer. Er wird sich im Laufe des Romans nicht zur Wehr setzen, sondern die Todesstrafe in Kauf nehmen – ohne zu erklären, warum er es getan hat. Klar, dass das seine Kindern Joel und Stella aus der Bahn wirft.

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Buchtrailer „Das Bekenntnis“ von John Grisham

Aufmerksamen Leser*innen wird relativ bald klar, dass die Bluttat etwas mit Bannings Frau … und deren möglicher Beziehung zum Pfarrer zu tun haben dürfte. Angedeutet wird, dass die beiden während des Krieges, in dem Pete für tot erklärt wurde, viel miteinander zu tun hatten. Zum Zeitpunkt des Mordes, eineinhalb Jahre nach Kriegsende, lebt … in einer Anstalt, die Kinder sind aus dem Haus und studieren, Pete hat nur noch sein Land und seine Angestellten.

In dem sich anschließenden Gerichtsverfahren versuchen Petes Anwälte ihn dazu zu bringen, seine Beweggründe darzulegen. Auch seine Kinder und die ihm sehr nahestehende Schwester Florrie erwarten eine Erklärung. Aber die kommt nicht. Pete landet auf dem elektrischen Stuhl.

Düstere Atmosphäre in Grishams „Das Bekenntnis“

John Grisham. (Bild: Charlotte Graham/Heyne, Randomhouse)

In diesem ersten Teil des Buches schildert Grisham in gewohnter Manier das Gerichtsverfahren und zeitgeschichtliche Hintergründe, etwa zur Entwicklung des elektrischen Stuhls. Spannend ist auch die bedrückende Atmosphäre der 1940er-Jahre im Süden der USA, die Grisham gekonnt einfängt. Erst am Schluss des Buches wird klar, warum Grisham sich auch den herrschenden Rassismus vorgenommen hat und immer wieder die schlechte Situation der Schwarzen aufs Tapet bringt.

Ungeduldigen Leser*innen wie mir wird der zweite Teil, in dem Grisham in allen Einzelheiten die Kriegserlebnisse Petes auf den Philippinen und das Kennenlernen von Pete und … schildert, deutlich zu lange vorkommen. Zumal mir nicht ganz klar ist, warum Grisham dem einen so großen Raum gibt. Viele der ausgerollten Details aus dem Krieg zwischen den USA und Japan im Pazifik sind aber dennoch wissenswert.

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Zum Ende hin versetzt Grisham die Leser*innen noch einmal vor Gericht. Hier geht es um Schadensansprüche, die die Frau des Pfarrers und ihr neuer Mann geltend machen wollen und die Situation von Petes Kindern. So ganz abnehmen will der/die Leser*in den Beiden ihre Trauer und die Bedrängnis, in die sie durch das Verfahren gebracht werden, aber nicht.

Fazit – Rezension „Das Bekenntnis“ von John Grisham

Im abschließenden dritten Teil des Buches wird es noch einmal spannend. Hier gibt es dann doch noch eine Auflösung – die ist zwar nicht vorhersehbar, aber nach dem langen Warten doch etwas lahm. Letztendlich ist es Grishams große Leistung, dass die Leser*innen den Roman bis zum Ende lesen werden. Spannung ist garantiert, aber mit dem Schluss bin ich persönlich nicht einverstanden.

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