Support Your Local Bookstore – oder: Warum ein eigener Online-Buchshop?

Lokaler Online-Buchshop. (Foto: Fotolia.com/Alextype)

Ich liebe das Lesen, ich liebe Bücher. Das ist der Grund dafür, dass ich viele gedruckte Bücher im Regal stehen und die meisten davon auch gelesen habe. Ich mag auch meinen E-Book-Reader und kann auch den Vorteilen von E-Books einiges abgewinnen. Manche von euch werden sich noch an meinen Blog ebook-fieber.de erinnern, den ich früher einmal betrieben habe. Dort war auch ein E-Book-Shop integriert – meine ersten Erfahrungen mit dem Verkauf von digitalen Büchern.

Existenzkampf der Buchhandlungen

Den Handel mit gedruckten Büchern habe ich ebenfalls schon vor Jahren ausprobiert. Dabei ging es vor allem um gebraucht gekaufte Bücher, die ich versuchte, mit Gewinn wieder zu verkaufen. Außerdem durfte ich bei einer Freundin meiner Tante als Teilzeit-Praktikant in eine echte Buchhandlung in Berlin hineinschnuppern. Ich trug mich vor einigen Jahren mit der Idee, eine eigene Buchhandlung mit integriertem Café zu eröffnen. In dieser Buchhandlung, die leider mittlerweile nicht mehr existiert, lernte ich vieles über die Situation der stationären Buchhandlungen und ihren Existenzkampf.

Neben der Bedrohung durch große Ketten und Konzerne wie Thalia oder Hugendubel bereitete schon damals vor allem der Onlinehändler Amazon den Buchhändler*innen Sorgen. Denn Amazon hatte es geschafft, den Kund*innen den Bestellvorgang und die Lieferung so zu erleichtern, dass viele kaum mehr einen echten Laden aufsuchten. Eine große Rolle spielt dabei natürlich, dass sich bei Amazon beinahe jedes Produkt mitbestellen lässt. Kund*innen stehen jede Menge Bewertungen zur Verfügung, die zumindest den Anschein erwecken, dass dieses oder jenes Produkt von vielen Kund*innen gekauft und für gut befunden wurde. Amazon kämpft dabei aber seit Jahren mit Fake-Bewertungen.

Zumindest im Buchbereich – und nur davon spreche ich hier – kann Amazon aber eigentlich kaum mehr leisten als der Buchhandel. Was viele nicht wissen: Wer im Buchladen ein Buch bestellt, kann dieses, so es verfügbar ist und nicht zu spät bestellt wurde, am nächsten Tag schon abholen. Dank Buchpreisbindung ist außerdem jedes Buch im Buchladen genauso teuer wie bei Amazon. Das Beste: Kund*innen können ihre Bücher auch im stationären Buchhandel online bestellen. Die meisten Buchläden haben einen angeschlossenen Online-Shop. Zudem gibt es reine lokale Online-Buchshops wie Meine Buchhandlung Wien.

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Mein eigener Online-Buchshop

Und damit auch schon ein Zwischenfazit: Ich habe einen eigenen Online-Buchshop eröffnet, weil ich Spaß am Handel mit Büchern habe, und weil ich gern Kund*innen berate. Dass ich selbst gern lese und meine Erfahrungen mit den Büchern über eigene Rezensionen teilen möchte, zeige ich im angeschlossenen Blog News.Meine-Buchhandlung.Wien. Dort gibt es auch Neuigkeiten aus der Branche und Lese-Tipps. Freilich stehe ich via Telefon oder E-Mail auch für persönliche Anfragen zur Verfügung. Ich möchte also ein stückweit das liefern, was die meisten Buchhändler*innen in ihren jeden Tag zu geben bereit sind.

Amazon hat es allerdings geschafft, den Eindruck zu erwecken, dass Kund*innen (nur) dort alles und das auch noch zu einem besonders günstigen Preis bekommen. Und das ist für viele Produkte oft sogar nicht von der Hand zu weisen. Im Buchbereich macht die Möglichkeit, dass Amazon nicht nur selbst als Händler auftritt, sondern anderen Händler*innen eine Plattform (Marketplace) zum Angebot eigener Produkte bietet, sicher einen großen Vorteil aus. Bekanntes Beispiel ist etwa Medimops, das die per Momox angekauften gebrauchten Bücher bei Amazon wieder verkauft. Ebenfalls ein nicht zu verachtender USP von Amazon ist, dass der US-Konzern Buchblogger*innen und Autor*innen die einfache Möglichkeit bietet, mit Buchempfehlungen Geld zu verdienen (Affiliate Marketing). In Deutschland bietet aber jetzt auch LChoice die Möglichkeit, dem lokalen Buchhandel Käufer*innen zuzuschanzen.

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Warum nicht bei Amazon kaufen?

Warum sollte man sich trotz der obengenannten Vorteile zweimal überlegen, bei Amazon Bücher zu kaufen? Ganz einfach: Anders als der lokale Buchhandel führt Amazon seine Steuern nicht in Deutschland, sondern in Luxemburg ab. Dort ist es für den Konzern nämlich günstiger. Aber auch am Heimmarkt zahlt Amazon kaum Steuern. 2018 soll der E-Commerce-Riese in den USA auf Gewinne in der Höhe von 11,2 Milliarden Dollar keine Steuern gezahlt haben – im Gegenteil: Amazon erhielt einen Steuerfreibetrag in der Höhe von 129 Millionen Dollar. Der Steuersatz belief sich dadurch auf minus ein Prozent (Quelle: Spiegel Online). Mit seinen internationalen Steuervermeidungstaktiken ist Amazon freilich nicht allein. Aber im Buchbereich ist das große A derzeit sicher der wichtigste Player.

Der stationäre Bucheinzelhandel bezahlt, auch im Fall von Onlinebestellungen, seine Steuern in Deutschland. Das kommt indirekt auch den Buchkäufer*innen zugute, etwa über Investitionen in die Infrastruktur etc. Über den Umgang und die Bezahlung der Arbeiter*innen in den Lagern des Konzerns brauche ich sicher nicht mehr viel zu sagen. Das können Interessierte in zahlreichen Medienberichten nachlesen, z. B. hier oder hier.

Es macht also auf jeden Fall einen Unterschied, ob ihr bei Amazon bestellt oder euch ein nicht vorrätiges Buch in der Buchhandlung von eurer/m Buchhändler*in bestellen lasst. Den lokalen Buchhandel könnt ihr auch unterstützen, indem ihr einen der zugehörigen Online-Shops oder unabhängige Online-Shops wie Meine Buchhandlung Wien. Hier findet ihr im Normalfall dasselbe Sortiment wie in eurer Buchhandlung oder bei Amazon.

#supportyourlocalbookstore

Ihr habt noch Fragen. Ich freue mich auf eure Kommentare oder E-Mails. Bis dahin wünsche ich euch: Frohes Buch-Shopping bei eurem lokalen Online-Buchhändler. In diesem Sinne: #supportyourlocalbookstore

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