Rezension: „Kaffee und Zigaretten“ von Ferdinand von Schirach

Rezension "Kaffee und Zigaretten" von Ferdinand von Schirach
"Kaffee und Zigaretten" von Ferdinand von Schirach – Luchterhand. (Bild: Jörn Brien, MBW)

Ferdinand von Schirach dürfte kein allzu fröhlicher Mensch sein. In seinem als bisher persönlichstes Buch gepriesenem neuen Werk „Kaffee und Zigaretten“ erlaubt der Bestseller-Autor seinen Leser*innen einen kleinen Einblick in sein Leben, Denken und Fühlen. Allzu nah heran werden Leser*innen aber nicht gelassen.

Wer die millionenfach verkauften Erzählbände „Verbrechen“ und „Schuld“ oder den Roman „Der Fall Collini“ gelesen hat, weiß, dass Ferdinand von Schirach ein toller Erzähler ist. Und er/sie bekommt eine Idee davon, wie sich „Kaffee und Zigaretten“ liest. Denn seinem Stil, der bei Leser*innen ebenso ankommt wie beim Feuilleton, ist von Schirach auch bei seinem neuen Buch treugeblieben. Mit Erfolg: „Kaffee und Zigaretten“ hat die Top-Position in der Spiegel-Bestsellerliste erreicht.

Insgesamt 48 nur mit Nummern versehene Kapitel finden sich in dem knapp 200 Seiten dünnen Buch. Eine Mischung aus ganz kurzen Notizen und Beobachtungen und längeren Erzählungen mit autobiografischen Zügen. Mal ist nach wenigen Absätzen Schluss, andere Kapitel erstrecken sich über mehrere Seiten.

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„Kaffee und Zigaretten“: Persönliches zu Beginn

Wirklich persönlich geht es aber eigentlich nur am Anfang zu, am persönlichsten gleich im ersten Abschnitt. Dort erfahren Leser*innen, dass von Schirach im Internat aufgewachsen ist, dass er seinen Vater verlor als er 15 war und sich kurz danach umbringen wollte. Der Vater war ihm fremd, die Eltern hatten sich früh scheiden lassen. Er geht allein auf die Beerdigung und lernt dort einen Vater kennen, der viel trank und wohl scheiterte.

Ferdinand von Schirach. (Bild: Luchterhand Literaturverlag/Michael Mann)

Viele andere Kapitel beschäftigen sich mit Begegnungen von Schirachs mit mehr oder weniger berühmten Zeitgenoss*innen, ehemaligen Weggefährt*innen oder mit Mandant*innen. Der Autor sinnt über Gelesenes oder Gesehenes nach. Man erfährt einiges darüber, wie von Schirach tickt, dass er viel traurig, ja depressiv, war. Aber so richtig warm wird man mit dem in dem Buch beschriebenen Menschen nicht.

Nahe geht einem beim Lesen noch einmal die Einlassung über von Schirachs Großvater, Baldur von Schirach. Dieser war für die Deportation und Vernichtung der Wiener Juden verantwortlich. An dem lässt er kein gutes Haar. Und er empfindet „Wut und Scham über seine Sätze und Taten“ – ist „vielleicht“ deshalb der geworden, der er ist.

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In meiner ersten Einschätzung war ich mir sicher, dass mir von Schirachs „Kaffee und Zigaretten“ deutlich besser gefällt als „Aus dem Dachsbau“ von Dirk von Lowtzow. Aber ich muss diese alte Meinung ein bisschen revidieren. Zwar schreibt von Schirach besser, aber von Lowtzows Buch blieb mir dennoch mehr in Erinnerung, packte mich mehr.

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