Rezension: „Das Licht“ von T.C. Boyle

Schriftsteller T.C. Boyle
T.C. Boyle. (Bild: tcboyle.de)

Es dauert ein paar Tage, bis Leser*innen dieses Buch verdaut haben – jedenfalls bei mir war es so. Unser Buch des Monats Februar ist alles andere als eine leicht wegzulesende Lektüre. Am Ende bleibt man etwas ratlos zurück – was will uns T.C. Boyle mit „Das Licht“ sagen? Ich unternehme einmal einen Versuch zu erklären, wie ich diese Frage beantworten würde.

„Das Licht“ soll sehen, wer auf einem LSD-Trip ist. Die Hippie-Droge der 1960er- und 70er-Jahre geht auf Mutterkorn-Forschungen des Chemikers Albert Hofmann zurück. Der hatte das Lysergsäurediethylamid (LSD) genannte Halluzinogen erstmals hergestellt und später selbst getestet – in einer für heutige Verhältnisse sehr hohen Dosis.

Die Erfindung von LSD

T.C. Boyle steigt mit der Schilderung dieser Ereignisse in Basel im Jahr 1943 in den knapp 400 Seiten langen Roman ein. Dem verheirateten Forscher stellt der Autor eine junge Laborantin zur Seite, die die Substanz ebenfalls testet. LSD wird schließlich als Delysid von der Firma Sandoz, für die Hofmann forschte, auf den Markt gebracht.

In den 1960er-Jahren experimentieren schließlich einige Wissenschaftler mit den psychischen Wirkungen der Droge. Dazu gehört der heute als Drogenpapst bekannte Psychologe Timothy Leary, der auch eine Hauptrolle in „Das Licht“ spielt. Hauptprotagonisten sind jedoch der Doktorand Fitz(hugh) Loney, dessen Frau Joanie und der gemeinsame Sohn Corey.

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Zunächst vorgeblich zu Forschungszwecken probiert Fitz in Learys Haus das LSD, später zieht auch Joanie nach. Es bildet sich eine illustre Runde, die wöchentlich von Trip zu Trip eilt und sich einen Sommer lang in Mexiko dem Drogenrausch und den bewusstseinserweiternden Wirkungen hingibt. Fitz, Joanie und Corey schließen sich letztlich einer Wohngemeinschaft an, die sich in einem Anwesen einem nie endenden Trip hingeben.

T.C. Boyle: Fiktion und Fakten in „Das Licht“

Boyle vermischt in „Das Licht“ Fiktion und Fakten. Mehrere der auftauchenden Personen im Kreis um Leary haben tatsächlich gelebt oder leben noch. Erfunden ist dagegen Familie Loney, an der Boyle die Auswirkungen der LSD-Reise über einige Jahre nachzeichnet. Untersucht wird etwa, wie sich der Dauer-Trip – inklusive freier Liebe – auf die Beziehung des eigentlich eher konservativen Pärchen auswirkt.

Boyle gelingt es, Leser*innen direkt in die Handlung hineinzuziehen. Die rauschhaften Zustände der Protagonisten wirken zunächst sogar anziehend. Bestimmt wird den einen oder die andere die Lust überkommen, selbst einmal einen solchen Trip zu erleben.

Diese Lust vergeht aber im Laufe des Romans – und zwar gründlich. Denn was zunächst wie ein unaufhörlicher Spaß beginnt, endet als langweiliges Dauer-Draufsein. Das anfängliche Zusammengehörigkeitsgefühl einer verschworenen Gemeinschaft geht verloren – ebenso wie sich Fitz und Joanie zunehmend aus den Augen verlieren. Am Ende, soviel sei verraten, ist von den ursprünglichen Wünschen und Zielen nichts mehr übrig.

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War es wirklich einmal der Wunsch gewesen, über das LSD Gott näher zu kommen, das Licht zu erleben. Wohl ja. Bezeichnend ist da das Ende des Buches in vielerlei Hinsicht. Fitz rettet sich zu seinem Heiland Leary, um der Einsamkeit zu entfliehen das „Sakrament“, also LSD, einzunehmen. Geht es dabei um Gott? „Scheiß auf Gott“, sagt Leary da zu Fitz. „Gehen wir auf Trip.“

Dauertrip auf Dauer langweilig?

Leser*innen leiden spätestens im vierten und letzten Kapitel des Buches – und zwar sowohl mit Fitz und Joanie als auch beim Lesen. Denn es wird jetzt zunehmend monotoner. Ich bin fast versucht, von Langeweile zu sprechen. Die letzten Seiten sind jedenfalls schon beinahe eine Lesequal – aber die Leser*innen sind angefixt genug, um sich bis zum Ende durchzubeißen. Wenn das – analog zu der Drogenerfahrung – von T.C. Boyle so beabsichtigt war, dann Hut ab! Anderenfalls immerhin eine ungewöhnliche Erfahrung.

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